Nachdem der Trend schon die letzten Jahre erfolgt ist im Ausland zog dieses Jahr auch Nic.ch nach.
Ohne es groß vorher anzukündigen wurden per 01.01.2021 plötzlich die Domaininhaber-Daten geheim.
Seit diesem Datum heißt es auf Nic.ch:
„Bei der Abfrage von .ch- und .li-Domain-Namen werden seit 1. Januar 2021 keine Personendaten mehr angezeigt. Zugang zu den Personendaten der Halterin oder des Halters eines Domain-Namens wird nur noch auf Gesuch gewährt, sofern sich die gesuchstellende Person oder Organisation authentifiziert und ein überwiegendes legitimes Interesse an den angefragten Daten glaubhaft macht.
Ob ein überwiegendes legitimes Interesse vorliegt, wird einzelfallweise geprüft. Ein legitimes Interesse kann beispielsweise vorliegen, wenn
- ein Halter oder technischer Kontakt des betreffenden Domain-Namens die aktuelle Eintragung überprüfen möchte.
- ein Domain-Name Kennzeichenrecht verletzt.
- der Inhalt einer Webseite Urheber- oder Persönlichkeitsrecht verletzt.
- eine Behörde die Daten zur Erfüllung der gesetzlichen Aufgaben benötigt.“
Ohne viel Bürokratie und Nachweise (oder notfalls sogar einen Richterbeschluß wenn Nic.ch die Nachweise für nicht ausreichend halten sollte) kommt man nicht mehr in Kontakt mit dem Domaininhaber.
Und dies auch nicht, wenn der das eigentlich will.
Massive Nachteile für den Domainhandel
„Der Wunsch, einen Domain-Namen zu kaufen oder den Betreiber der Website zu kontaktieren, ist hingegen nicht ausreichend„, um zu erfahren, wem eine Domain gehört, heißt es seit dem 1.1.2021 auf Nic.ch weiter.
Man erfährt also nicht nur nicht von Leuten, die anonym bleiben wollen, wie man sie kontaktiert.
Sondern auch nicht von Domaininhabern, die gerne öffentlich im Register erscheinen würden.
Nur, wer mühsam eine Seite aufgeschaltet hat oder die Domain bei einem Hoster einträgt und umleitet oder Ähnliches, kann somit Domainkäufer erreichen.
Für private Domainbesitzer, die eine Domain gerne an einen Käufer geben würden zuviel Aufwand. Auch für professionelle Domainhändler ein extremer Aufwand, gerade bei großen Portfolios von tausenden Domains.
Es fragt sich daher, was das soll.
Warum nicht den Schweizer Weg der Freiwilligkeit?
Warum ist man im Domainrecht Schweiz dem rigiden EU-Weg gefolgt anstatt den freiheitlichen und naheliegenden Weg zu gehen: Wer will, daß seine Daten nicht erscheinen, wird anonym.
Wer will, daß seine Daten öffentlich auf Nic.ch angezeigt werden, der nicht.
Es wäre so einfach gewesen.
Auch Mißbrauch wird gefördert
Auch dem Mißbrauch öffnet es Tür und Tor.
Denn jetzt kann jeder heimlich z. B. ähnlichklingende Domains von Konkurrenten anonym bzw. für Außenstehende außer ihm selbst nicht sichtbar registrieren.
Möchte sich zum Beispiel ein Markeninhaber dagegen wehren kann er nicht einfach sehen, wer der Übeltäter ist, sondern muß erst auf dem rechtlichen Weg ein berechtigtes Interesse nachweisen, überhaupt erfahren zu dürfen, wem eine streitige Domain gehört.
Weder der Rechtssicherheit, vor allen Dinen aber nicht dem Domainhandel und der Freiheit ist die neue Praxis des Zwangsdatenschutzes zuträglich.

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